Der BGH zum Totalschaden - Teil 97 - Urteile - Rechtsanwaltskanzlei van de Velde - Fachanwalt für Arbeitsrecht - Fachanwalt für Verkehrsrecht

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Der BGH zum Totalschaden - Teil 97

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Tags: VerkehrsrechtTotalschaden

Die Abrechnung eines Totalschadens ist sehr kompliziert. Zwischenzeitlich sind dermaßen viele Einzelfallentscheidungen des Bundesgerichtshofes ergangen, dass es selbst Spezialisten nicht mehr einfach haben, den Überblick zu bewahren. Wie soll sich da erst ein Laie zurecht finden?

Mit einer Entscheidung vom 14.12.2010 hat der BGH nun eine Lücke in der bisherigen Rechtsprechung geschlossen.

Das Fahrzeug des Geschädigten war erheblich beschädigt. Die Reparaturkosten überstiegen den Wiederbeschaffungswert um 70%. Eine Reparatur war daher wirtschaftlich nicht sinnvoll. "Normalerweise" hätte sich der Geschädigte ein Ersatzfahrzeug anschaffen müssen und hätte dann den Wiederbeschaffungswert von dem Versicherer erhalten, allerdings abzüglich des Restwertes für das Fahrzeugwrack.

Hier hat der Geschädigte allerdings reparieren lassen, und zwar vollständig sach- und fachgerecht, also nach Anleitung des Sachverständigengutachtens. Durch die Verwendung von Gebraucht- und Identeilen konnte er die Reparaturkosten um eben diese 70% reduzieren, so dass er unterhalb des Zeitwertes verblieb.

In diesem - allerdings seltenen - Ausnahmefall soll dann die Abrechnung auf Reparaturkostenbasis zulässig sein, so dass der Geschädigte gegenüber der Totalschadenabrechnung eine sehr viel höhere Entschädigung erhielt.

Dieser Fall zeigt auf, wie wichtig es ist, sich bei Verkehrsunfällen vor der ersten Kontaktaufnahme mit dem Versicherer an einen Anwalt, möglichst einen Fachanwalt für Verkehrsrecht, zu wenden. Die Kosten für den Rechtsanwalt sind ohne vom dem einstandspflichtigen Versicherer zu erstatten, und zwar auch bei einer Teilschuld.

Die Entschädigungszahlung ist bei Einschaltung eines spezialisierten Rechtsanwalts durchschnittlich 20% höher als bei Selbstregulierung.

Nachtrag:

Und als ob die Frage der Totalschadenabrechnung nicht schon kompliziert genug wäre, hat der BGH in einer weiteren Entscheidung noch einen draufgesetzt:

Der Geschädigte hatte einen Totalschaden, in dem die Reparaturkosten den Wiederbeschaffungswert vom ca. 40% überschritten. Also keine Befugnis zur Reparatur. Ausnahme: siehe oben!

Nun hat der Geschädigte aber eine Werkstatt gefunden, die ihm einen Sonderpreis gemacht hat und die (wohlgemerkt sach- und fachgerechte!) Reparatur zu einem Preis von etwas weniger als 130% des Wiederbeschaffungsaufwandes durchgeführt hat. Also wollte der Geschädigte nun die konkreten Reparaturkosten als Ersatz.

Nein, die gibt es nicht, sagten zunächst die Instanzgerichte (Landgericht und Oberlandesgericht). Und der BGH hat diese Urteile bestätigt. Der Geschädigte müsse in Fällen, in denen ihm ein Sonderrabatt eingeräumt wird, dezidiert erklären, weshalb er diesen Rabatt erhält. Ansonsten verbleibt es bei der Totalschadenabrechnung.

Einfach geht anders...




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