Verkehrsunfall - Was tun? - Rechtsanwaltskanzlei van de Velde - Fachanwalt für Arbeitsrecht - Fachanwalt für Verkehrsrecht

Rechtsanwalt van de Velde
Rechtsanwalt van de Velde
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Fachanwalt für Verkehrsrecht
Direkt zum Seiteninhalt

Verkehrsunfall - Was tun?

Informationen

Plötzlich hat es gekracht. Völlig unerwartet kam der Anstoß. Eben gerade noch fuhr Fiaker Ferdinand F. mit seiner niegelnagelneuen Droschke auf Hamburgs Straßen. Nun fuhr ihm plötzlich das vor ihm vor der Ampel haltende Fahrzeug auf die Fahrzeugfront auf. Vermutlich hatte der betagte Fahrzeugführer die Gänge verwechselt und schaltete statt auf „D“ auf „R“.

Nun gut, kann ja mal passieren, dachte sich Ferdinand. Der Fall ist ja klar, ich habe einen guten Verkehrsanwalt, dann kann ja nichts passieren. Also werden nur kurz die Daten ausgetauscht, und beide Wagen setzten ihre Fahrt fort. Ferdinand fuhr sofort zu seinem Advokaten, der dann auch sofort das Anspruchsschreiben an die gegnerische Versicherung aufsetzte.

Das böse Erwachen folgte genau vier Tage später. Ein Brief flatterte ins Haus. Von der Versicherung. Nein, nicht von der gegnerischen Versicherung, sondern von der eigenen! Dort würden Ansprüche geltend gemacht, und zwar von dem Vordermann. Der will nun nämlich Schadensersatz haben. Er hat behauptet, dass es Ferdinand gewesen sei, der ihm von hinten kommend auf das Fahrzeugheck aufgefahren sei. Der Unfallgegner selbst, so steht es in der Schadensanzeige, habe die ganze Zeit an der Haltelinie gestanden.

Sofort bekam Ferdinand einen Termin beim Anwalt. Doch der konnte ihm dann leider auch nur noch schulterzuckend erklären, dass er jetzt beweisen müsste, wie der Verkehrsunfall sich genau abgespielt habe. Gegen ihn spreche jetzt nämlich ein so genannter „Anscheinsbeweis“. Das bedeute, dass er das Gegenteil davon beweisen muss, dass der Unfall nicht durch ein Auffahrverschulden entstanden sei.

Fälle wie den oben fiktiv skizzierten hat wohl schon jeder Fachanwalt für Verkehrsrecht mindestens einmal erleben müssen. Nicht immer bleibt ein Fall so klar, wie er sich unmittelbar nach der Kollision darstellt. Selbst der reuige Unfallverursacher erfährt gelegentlich einen merkwürdigen Gesinnungswandel, nachdem er sich im Freundes- oder Bekanntenkreis „beraten“ ließ, wie er den Unfall denn seiner Versicherung schildern sollte.

Daher möchte ich die Rubrik heute dazu nutzen, einige heiße Tipps für das Verhalten nach einem Verkehrsunfall zu veröffentlichen. Speichern Sie sich diese Seite gerne als Lesezeichen in Ihr Smartphone, wenn es dann mal kracht, können Sie sie wieder aufrufen und die Schritte Punkt für Punkt abarbeiten.

1./ Verletzte versorgen.

Natürlich steht an erster Stelle die Versorgung von Schwerverletzten. Damit meine ich nicht den Vordermann, der über Halsschmerzen klagt. Der kann warten. Aber wenn jemand offensichtlich schnelle Hilfe benötigt, muss alles andere zurück stehen. Dieser Fall ist aber zum Glück äußerst selten bei innerstädtischen Unfällen.

2./ Flüchtige Beweismittel sichern.

Das ist für mich der wichtigste Punkt. Flüchtige Beweismittel sind insbesondere Zeugen, die den Unfall beobachtet haben. Wenn man nicht sofort deren Namen und Anschriften notiert, sind diese Zeugen möglicherweise für immer verloren. Nehmen wir z.B. den oben genannten Fall. Was denkt sich ein Unfallzeuge? „Na logisch, die Sache ist doch klar. Der Vordermann fuhr rückwärts, also hat er die Schuld. Meine Hilfe wird da ja bestimmt nicht mehr benötigt“ und setzt dann seinen Weg fort. Dass es solche Probleme mit der Versicherung geben könnte, ahnt der Zeuge zu dieser Zeit ebenso wenig wie unser Ferdinand.

3./ Kontaktaufnahme mit dem Unfallgegner.

Anschließend sollten die Unfallbeteiligten die Daten austauschen. Hierzu empfehle ich, den Europäischen Unfallbericht im Auto mitzuführen. Das Formular ist bei den Automobilclubs erhältlich und lässt sich auch kostenlos im Internet herunter laden. Wenn Einigkeit über den Unfallhergang besteht, sollte der Verlauf in kurzen Worten beschrieben und von beiden Seiten anschließend unterschrieben werden. Wichtig ist hierbei, dass man schreibt: „Der Vordermann fuhr rückwärts auf mein Auto auf.“ Reine Schuldanerkenntnisse à la „Ich hatte schuld.“ sind vor Gericht leider nicht viel wert.

4./ Fotos.

Dies ist der zweite wichtige Punkt. Mit Fotos lässt sich später der Unfallhergang teilweise sehr genau rekonstruieren. Zunächst sollten ein paar Totalaufnahmen gemacht werden, und zwar wegen der Verzerrung aus möglichst großer Entfernung  Dann werden die Unfalldetails fotografiert, z.B. die Fahrzeugschäden, Reifenspuren, Splitterfelder usw. Dabei ist es auch wichtig, die Positionen der Fahrzeuge wiederzugeben, z.B. in Bezug auf einen Poller, Telefonkasten oder ein anderes Objekt. Für die Fotos reichen notfalls auch die Handykameras aus, besser sind aber die 5-Euro-Einwegfotoapparate, die eigentlich in jedes Handschuhfach gehören.

5./ Unfallstelle räumen.

Wenn dies erledigt ist, kann die Unfallstelle geräumt werden. Wenn alles gut läuft, sind die Punkte 1.-3. nach wenigen Minuten erledigt, so dass der Verkehr dann wieder fließen kann.

6./ Polizei?

Bleibt zum Schluss die Frage nach der Polizei? Brauchen wir die überhaupt noch? Nicht unbedingt! Wenn man die oben genannten Punkte erledigt hat, kann die Polizei nicht mehr viel nützen. Das gilt insbesondere natürlich bei den kleineren Blechschäden. Wenn eine Person schwer verletzt worden ist, sollte hingegen immer die Polizei gerufen werden. Bei den kleinen Schäden hingegen kann die Polizei keine wichtige Beweisrolle einnehmen. Die Polizisten haben den Unfall selbst nicht beobachtet, stehen also höchstens als so genannte „Eindruckszeugen“ zur Verfügung. Und dieser „Eindruck“ kann manchmal sogar kontraproduktiv sein. Fakt ist jedenfalls, dass es nicht unbedingt die Aufgabe der Polizei ist, die Beweislage nach einem Verkehrsunfall zu sichern. Hinzu kommt der Umstand, dass man auf das Eintreffen der Polizei gelegentlich sehr lange warten muss. Und manchmal, so hört man gerüchteweise, sollen Taxifahrer bei den Polizisten auch nicht immer den besten Ruf haben; das muss dann vor Ort auch nicht unbedingt von Vorteil sein.

In Hamburg müssen wir Rechtsanwälte in gewissen Unfallkonstellationen teilweise 3-4 Monate auf den Einblick in die Unfallakten warten. In dieser Zeit gerät die Schadensregulierung leider oft ins Stocken. Wer hingegen die Beweise sauber abgesichert hat, ist auf die Unfallakte nicht mehr angewiesen. Eine viel, viel schnellere Regulierung ist dann die Folge.

Zurück zum Seiteninhalt